Wappen Förderkreis Historisches Breckenheim e.V. Altes Rathaus
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1959 bis 1969 wurden 160 Bauplätze „Auf der Ahl“ und in dem Gebiet „Die Weinberge“ ausgewiesen. 450 weitere Bauplätze kamen auf der „Prügelwiese“ und „Prügelgärten“ dazu.

Die Gemeinde beantragte bei dem Hessischen Minister des Innern die Genehmigung zur Führung eines Wappens. Das Hessische Staatsarchiv in Wiesbaden erstellte das Gutachten und beauftragte einen heraldischen Zeichner mit der Herstellung eines Wappenabdrucks. Mit Schreiben vom 14. Juni 1963 hat der Minister folgendes Wappen genehmigt: In Rot, ein senkrecht gestelltes silbernes Schwert mit goldenem Griff und einer goldenen Waage. Ein Gerichtssiegel von 1729 zeigt den Heiligen Michael mit Schwert in der Rechten und Waage in der Linken. Schon unter der Herrschafft von Eppstein wurde ein Gerichtssiegel geführt. Der Schultheiß, der gleichzeitig Gerichtsleiter war, war berechtigt das Siegel zu benutzen.

Ein Mehrzweckgebäude für die Unterbringung des Rathauses, des Feuerwehrgerätehauses, sowie sieben Wohnungen wurde 1965 erbaut. Vor dem Haus wurde ein Kinderspielplatz angelegt. In der Brunnenstraße, heute Klingenbachstraße, baute man 1973 einen schönen großen städtischen Kindergarten mit Hort für 100 Kinder. Für kulturelle Veranstaltungen wurde 1976 das Vereinshaus, mit einer komplett eingerichteten Küche und Theke gebaut. Der große Saal bietet Platz für 200 Personen und ist mit Tischen und Stühlen ausgestattet. Er kann zweimal geteilt werden, so dass drei Räume entstehen, je nach Größe der Veranstaltung. Im Untergeschoß gibt es einen Jugendraum, ebenfalls mit eingebauter Küche. Und die Feuerwehr hat hier für ihre Löschfahrzeuge, Mannschaftsräume und Unterrichtsraum auch ihren endgültigen Platz gefunden. Im ehemaligen Feuerwehrhaus im Rathaus sind nun die Geräte und Fahrzeuge der Gemeinde untergebracht.

Seit alters her gingen an Pfingsten die Breckenheimer jung und alt an den Pfingstborn. Unter Kastanienbäumen sitzend, fanden die Menschen Erholung. Die Kinder, mit Brausetüten aus Himbeere und Waldmeister versorgt, schütteten das Pulver in ein Fläschchen und holten das Wasser aus dem Pfingstborn. Früher lief das Wasser einfach aus der Quelle. Später wurde ein Rohr gelegt und man konnte das Wasser besser einfüllen. Einem heidnischen Brauch zu folge, soll das Wasser an Pfingsten Heilkräfte besitzen. Alle tranken davon zur Gesundheit. Die Kinder des 7. Schuljahrs nannte man die „Kranzkinder“. Diese gingen am Himmelfahrtstag früh in den Wald und holten Immergrün und Tannenzweige, dann wurden im Dorf in jedem Haus Blumen gesammelt. In der Scheune von einem der Kranzkinder wurde von einem Gärtner ein großer Kranz gebunden, Die Mädchen der Kranzkinder schenkten ihren Schulkameraden bunte Stoffbänder, jede eine andere Farbe. Die Buben steckten diese Bänder an ihre Mützen. Den Mädchen gaben die Jungen bunte Papierbänder, die wurden dann an die Kinder auf der Straße verschenkt. Jedes Kind das vor dem Kranzhaus wartete durfte einmal Schaukeln, auf einer langen Schaukel die meist in der Scheune aufgehängt wurde. Die Eltern hatten Kuchen gebacken und es gab Apfelwein zu trinken. Singend wurde der fertige Kranz dann durch das Dorf getragen, so dass ihn alle bewundern konnten. In einem Keller neben dem Friedhof wurde er bis Pfingsten aufbewahrt. Ab und zu wurde er begossen, damit er frisch blieb. An Pfingsten wurde der Kranz am Pfingstbaum befestigt, der von den Vätern der Kranzkinder aufgestellt wurde. Dieser alte Brauch wurde neu gestaltet. Die Bürgermeister des Ländchens taten sich zusammen und beschlossen ein „Tag des Ländchens“ an Pfingsten in Breckenheim zu feiern. Begeistert von allen wurde dieser Vorschlag angenommen. Der Ländchestag wurde zu einer besonderen Bereicherung des Dorfes. Die Vereine sorgen beim Ländchesfest für das leibliche Wohl. Da es fast keine Scheunen mehr gibt wird der Kranz heute in der Geflügelzuchtanlage mit dem Heimat- und Verkehrsverein gebunden. Die Freiwillige Feuerwehr Breckenheim stellt am Pfingstsonntag den mit Kranz geschmückten Pfingstbaum auf, unter dem Beifall der Bevölkerung. Seit 1977 wird auch eine Ländcheskönigin für dieses Fest gewählt. Das ganze Pfingstborngelände wurde neu gestaltet. Schöne Rundwege, ein Kinderspielplatz, ein Kneippbecken, ein Schachbrett, eine Tischtennisplatte und ein überdachter Grillplatz mit stabilen Tischen und Bänke laden zum Feiern ein. Auch Strom und eine Toilette sind vorhanden.

Eine wichtige Frau für das Dorf war Schwester Luise Völker, am 24. Februar 1876 in Breckenheim geboren. Als Diakonie-Schwester im Paulinenstift ausgebildet war sie zunächst in Bethel tätig. In den zwanziger Jahren wurde sie, gegen ein geringes Solär, in Breckenheim als Gemeindeschwester eingestellt. Es gab im Dorf keinen Arzt und wenn ein solcher erforderlich war, musste aus Wallau Dr. Eiring oder aus Nordenstadt Dr. Erwin Peil kommen. Die „Völker Schwester“, so wurde sie genannt, verfügte über großes Wissen. Sie half zuerst allen Kranken, ehe man einen Arzt hinzuzog. Sie war sehr beliebt im Dorf. Bis zu ihrem 85. Lebensjahr übte sie ihren Beruf aus. Sie wurde 101 Jahre alt.

1946 machte Dr. Feuerbach die erste Praxis im Dorf auf, im Hause seiner Schwiegereltern. Auf dem Mönchacker baute er ein Haus und hatte dann dort seine Praxis als praktischer Arzt. Nach seinem Tod 1972 übernahm Dr. Eberhard Springborn diese Praxis, danach Ernst Feuerbach jun.

Bürgermeister Willi Blankemeyer gab am 29. April 1966 erstmals „Die Brücke“ heraus. Bis dahin ging der Ortsdiener mit der „Schelle“ durch das Dorf und gab bekannt, wann Steuern bezahlt werden sollten, wem die Wiesenwege zum Heumachen vergeben wurden, alles, was ein Bürger wissen musste. Ab nun stand dies alles in der „Brücke“.



Nachdem 1967 die alte Schule sowie die Scheune, Stallung und die beiden Küsterhäuser abgerissen wurden entstanden Parkplätze. 1974 wurde der Dorfplatz neu gestaltet, es entstanden weitere Parkplätze und ein Dorfbrunnen mit Wasserfontäne. Da wo einst Häuser und Schulscheune standen wurde nun eine Verbindungsstraße zum Neubaugebiet gebaut

Das evangelische Gemeindehaus wurde in den 70er Jahren gebaut. Obermedizinalrat Otto Hundt aus Hochheim, dessen Mutter Katharina Stein eine Breckenheimerin war, verfügte in seinem Testament, dass ein Teil seiner Hinterlassenschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Breckenheim zur Verfügung gestellt wurde. Aus dieser Hinterlassenschaft wurde das Gemeindehaus gebaut. Gegenüber entstand ein neues Pfarrhaus. Das alte Pfarrhaus, 1804 erbaut, wurde verkauft, es steht unter Denkmalschutz.

Von 1971 bis 1974 wurden in der Gemarkung „Auf der Ahl“ und „Die Weinberge“ 450 Bauplätze bebaut. Die Einwohnerzahl von Breckenheim betrug nun 3500. Durch das Neubaugebiet war die Wasserversorgung des Dorfes in Frage gestellt. Im Wallauer Wald wurde ein Hochbehälter für Breckenheim und Wallau gebaut. Der Wasserversorgungsverband Main-Taunus-West Gruppenwasserwerk Ried-Haßloch versorgte nun das Dorf mit ausreichendem Wasser.

Die Gemeindekörperschaft entschied 1974, dass Breckenheim zu Wiesbaden eingemeindet werden soll. Am 21. Juni 1974 hat der Hessische Landtag der Eingemeindung stattgegeben. So wurde am 1. Januar 1977 das Dorf ein Stadtteil von Wiesbaden mit einer Verwaltungsstelle, Wiesbaden-Breckenheim. Der Ortsvorsteher vertritt die Belange der Gemeinde, für die Verwaltung steht der Leiter der Ortsverwaltung.

Aus dieser Zeit können wir Ihnen anhand der freundlichen Genehmigung des "Wiesbadener Kurier" einige Auszüge des "Wiesbaden Kurier vom Mittwoch 15. Oktober 1975 " zeigen. Als Zusatzinformation zum Luftbild: HERBST (freigegeben unter Nr. 428/75).


Am 25. Juli 2002 wurde die ICE-Strecke Wiesbaden-Limburg, die durch die Breckenheimer Gemarkung entlang der Autobahn A3 führt, eingeweiht. Eine Umgehungsstraße um das Dorf herum, wurde im Mai 2005 eröffnet.




Quellennachweis:
Nassauisches Heimatbuch von Karl Jacobi, Wiesbaden 1913
Wiesbaden im Mittelalter von Otto Reukhoff
Geschichte von Nassau II. Teil von Dr. C. Spielmann, 1926
Beschreibung des Herzogtum Nassau vom C.D. Vogel Decan in Kirberg
Wiesbadener Verlag von Wilhelm Beyerle, 1843
Der Ehemalige Landkreis Wiesbaden von Dr. Phil. d.c. Albert Heuche, 1930
Breckenheimer Schulchronik ab 1750
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden
Wiesbadener Landesbibliothek


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